Geld und Schulden- einfach erklärt!

Das Verschuldungslexikon erklärt alles, was mit Schulden zu tun hat kurz und knapp, von "A" wie "Abtretung bis "Z" wie "Zwangsvollstreckung".

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Unser Ziel

Viele Menschen sind verschuldet oder sogar überschuldet. Schuldnerberatungsstellen gibt es wenige, schnelle Termine noch weniger. Mit "Geld und Schulden – einfach erklärt!" möchten wir Beraterinnen und Beratern in anderen Fachdiensten, aber auch den Klientinnen und Klienten die Möglichkeit geben, sich in kurzer Zeit mit wenig Aufwand und Vorkenntnissen zu informieren. Die Erklärungen sind praxisnah und kurz geschrieben.


Denn nur wer weiß, womit man es zu tun hat und was gerade geschieht, kann auch richtig handeln

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Restschuldbefreiung

Die Restschuldbefreiung ist das Ziel für den Schuldner bei einem Insolvenzverfahren. In nach dem 01.10.2020 beantragten Insolvenzverfahren erhält man die Restschuldbefreiung automatisch nach 3 Jahren. Für vor dem 01.10.2020 beantragte Verfahren gelten längere Fristen. Es gibt aber in diesen Verfahren die Möglichkeit der vorzeitigen Restschuldbefreiung.

Die Restschuldbefreiung wird durch einen Beschluss des Insolvenzgerichts erteilt.

Sie wirkt gegen alle Gläubiger, deren Forderung zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung bestanden hat; auch wenn sie nicht im Insolvenzantrag standen („vergessene Gläubiger“) oder wenn sie sich nicht beim Insolvenzverwalter gemeldet haben.

Die Restschuldbefreiung bewirkt jedoch kein völliges Erlöschen der Forderungen gegen den Schuldner. Sie gibt dem Schuldner aber das Recht, die Leistung zu verweigern. D.h. die Schulden bleiben als sog. unvollkommene Verbindlichkeiten (Naturalobligationen) bestehen.

Deshalb bleiben beispielsweise Bürgschaften bestehen, auch wenn der Schuldner der Forderung die Restschuldbefreiung erhalten hat.

Stirbt der Schuldner nach Erhalt der Restschuldbefreiung, so gilt diese auch für die Erben. Deshalb ist es auch in höherem Alter durchaus sinnvoll, ein Insolvenzverfahren durchzuführen. Die Restschuldbefreiung erspart es den Erben, die Erbschaft ausschlagen zu müssen.

Negative Schufaeinträge (Bsp. „Abwicklungskonto“) werden mit Rechtskraft der Restschuldbefreiung mit einem Erledigungsvermerk versehen. Endgültig gelöscht werden sie drei Jahre später.

Hat ein Schuldner die Restschuldbefreiung erhalten, kann er frühestens nach 10 oder nach 11 Jahren wieder einen neuen Insolvenzantrag stellen.

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Vorzeitige Restschuldbefreiung

Für Insolvenzverfahren, die vor dem 01.10.2020 beantragt wurden, gilt grundsätzlich noch die Abtretungsfrist von 6 Jahren. D.h. man erhält vom Gericht 6 Jahre nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens die Restschuldbefreiung. Die Laufzeit wird jedoch seit Dez. 2019 immer um einen Monat gekürzt. So gilt für ein am 30.September 2020 beantragtes Verfahren eine Laufzeit von 4 Jahren und 10 Monaten.

Für Verfahren, die nach dem 01.10.2020 beantragt wurden, beträgt die Laufzeit generell nur noch 3 Jahre. Für dese Verfahren gibt es keine weiteren Verkürzungsmöglichkeiten.

Wurde ein Verfahrenskostenstundungsantrag gestellt, erhält man mit der Restschuldbefreiung auch die Rechnung über die noch offenen Verfahrenskosten. **Denn für die Verfahrenskosten gilt die Restschuldbefreiung nicht! **

Bei vor dem 01.10.2020 beantragten Verfahren gibt es folgende Möglichkeiten, die Restschuldbefreiung vorzeitig zu erlangen:
  • Nach 5 Jahren: wenn bis dahin alle Verfahrenskosten bezahlt sind. Das ist für die meisten Schuldner empfehlenswert und erreichbar. Wenn das Einkommen nicht pfändbar ist und kein Vermögen da ist, Verfahrenskostenstundungsantrag stellen und eine freiwillige Rate zahlen. Ist pfändbares Einkommen vorhanden, zahlen sich die Kosten je nach Höhe von selbst. Am besten dieses Thema gleich am Anfang mit dem Insolvenzverwalter besprechen!
  • Nach 3 Jahren: wenn die Verfahrenskosten bezahlt sind und wenn 35 % der angemeldeten Forderungen (Schlusstabelle) beglichen wurden. Problem: Ist das Insolvenzverfahren noch geöffnet (Insolvenzphase), erhält der Insolvenzverwalter einen erheblichen Teil des Geldes, mit dem diese 35 % beglichen werden sollen (Bsp. Gelder von Dritten). Auch hier gilt: mit dem Insolvenzverwalter reden oder sich anderswo beraten lassen. Eventuell ist ein Insolvenzplan sinnvoller.
Wichtig:

Der Schuldner muss den Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung selbst beim Insolvenzgericht stellen, und zwar vor Ablauf der 3 bzw. 5 Jahre! Das macht nicht der Insolvenzverwalter.

Meldet kein Gläubiger seine Forderung beim Insolvenzverwalter an, kann das Verfahren gegen Zahlung der Kosten auch sofort eingestellt werden.

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