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Kontenüberziehung

Kategorie: Bank- und Kreditwesen

Erklärung: Kontenüberziehung, oft auch als Überziehungskredit oder geduldete Überziehung bezeichnet, ist eine Form der kurzfristigen Finanzierung, die Banken ihren Kunden ermöglichen. Sie tritt ein, wenn ein Bankkunde mehr Geld abhebt oder Überweisungen tätigt, als sich tatsächlich auf dem Konto befindet. Die Bank "überzieht" also das Konto des Kunden, verbucht dementsprechend ein negatives Saldo und gewährt damit faktisch einen kurzfristigen Kredit. Um diese Dienstleistung nutzen zu können, ist in der Regel eine vorherige Absprache mit der Bank erforderlich. Dabei werden spezifische Bedingungen, einschließlich der Überziehungszinsen festgelegt, welche in der Regel höher sind, als Zinsen für normale Kredite, aufgrund des erhöhten Risikos für die Bank. Unterschieden wird dabei zwischen der vereinbarten und der geduldeten Überziehung. Bei einer vereinbarten Überziehung, auch Dispositionskredit oder "Dispo" genannt, wird ein bestimmter Betrag festgelegt, bis zu dem das Konto überzogen werden darf. Bei einer geduldeten Überziehung, duldet die Bank eine unvereinbarte oder eine über den vereinbarten Disporahmen hinausgehende Überziehung des Kontos. Beispiel: Nehmen wir an, Herr Müller hat auf seinem Girokonto einen Dispositionskredit in Höhe von 2000 Euro vereinbart und aktuell befinden sich 1500 Euro auf seinem Konto. Dies bedeutet, dass Herr Müller Überweisungen oder Abhebungen bis zu einem Gesamtbetrag von 3500 Euro (1500 Euro Guthaben + 2000 Euro Dispositionskredit) tätigen kann, ohne dass die Bank diese ablehnt. Sollte Herr Müller jedoch versuchen, einen Betrag von 4000 Euro zu überweisen, wäre dies eine geduldete Überziehung, sofern die Bank diese Überweisung nicht ablehnt und der Betrag ausgeführt wird. Wichtig zu beachten ist, dass eine Kontenüberziehung hohe Zinsen mit sich bringt und nicht als langfristige Finanzierungslösung angesehen werden sollte. Darüber hinaus kann eine häufige oder langfristige Kontenüberziehung zur einer Verschlechterung des Schufa-Scores und damit zur Reduzierung der Kreditwürdigkeit führen. Deshalb ist es ratsam, eine Kontenüberziehung nur im Notfall und nur für kurze Zeiträume zu nutzen und sich bei finanziellen Problemen rechtzeitig an unabhängige Schuldnerberater oder einen Anwalt zu wenden.

Passende Begriffe:

Kontenüberziehung zu Kontokorrentkredit:
Bei einer Kontenüberziehung wird das Girokonto ohne zugesagte Kreditlinie ins Minus geführt. Ein Kontokorrentkredit ist ein vereinbarter Kreditrahmen für ein Girokonto.

Wichtige Information: Dies stellt keine Rechtsberatung dar und dient lediglich zur allgemeinen Information. Bei spezifischen rechtlichen Fragen ist immer die Konsultation eines Rechtsanwalts zu empfehlen.